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„DAS SYSTEM MUSS FLEXIBLER WERDEN“

 

Bürokratische Fördermethoden hemmen den Innovationsgeist der Deutschen, kritisiert Wirtschaftswissenschaftler Klaus Nathusius.

INTERVIEW: ROBERT THIELICKE

 

TR: Professor Nathusius, deutsche Politiker schmücken sich gern mit den Milliarden, die sie in Forschungsprogramme stecken. Zu Recht?

 

KLAUS NATHUSIUS: Das kann Ihnen niemand sagen, und genau das ist ein Teil des Problems. Bis heute existiert keine unabhängige Bewertung über den Erfolg von Programmen zur Innovationsförderung.

 

Drücken sich die Politiker vor der Beurteilung?

Da ist was dran. Viele Beteiligte fühlen sich sehr wohl damit, die Milliarden bis zum Jahresende auszugeben - ohne sich groß für deren Auswirkungen zu interessieren. Eine große deutsche Schwäche ist allerdings schon jetzt klar: Hiesige Wissenschaftler sind unglaublich gut darin, Erfindungen hervorzubringen - aber unerfahren darin, die Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte, Verfahren oder Prozesse umzusetzen. Zu oft ist ein Japaner oder mittlerweile auch ein Chinese schneller. Das ist verdammt ärgerlich.

 

Sie kreiden dieses Manko der deutschen Förderpolitik an?

Das jetzige System ist viel zu stark auf bestimmte Projekte ausgerichtet. Eine gute Idee allein reicht nicht, der Wissenschaftler muss außerdem noch das Glück haben, dass sie in ein bestehendes Förderprogramm passt. Ist das nicht der Fall, wird die Finanzierung schwierig. Um nicht leer auszugehen, schneiden die Forscher ihr Vorhaben auf einen existierenden Geldtopf zu.

 

Oder sie sind gute Netzwerker ...

... und kennen zufällig einen Ministerialrat, der noch einen Budgetposten im Ärmel hat. Netzwerke sind grundsätzlich nicht schlecht. Was wir aber vor allem brauchen, sind bessere Strukturen für die technologieoffene und projektunabhängige Forschung und Entwicklung. Das gesamte System muss flexibler werden. Dazu gehört auch, dass der Staat Anreize setzt, dass mehr privates Geld in Forschung und Entwicklung fließt - beispielsweise aus den Finanzmärkten. Dort ist reichlich Kapital vorhanden, bisher wird es aber eher konservativ investiert statt in neue Technologien.

 

Wie wollen Sie das ändern?

Durch steuerliche Anreize für private Investoren. Ihre Folge wäre ein besser funktionierender Venture-Capital-Markt. Deutschland macht davon bisher leider keinen Gebrauch - obwohl auch die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission „Forschung und Innovation" betont hat, dass diese Steuerförderung dringend in Angriff genommen werden muss.

 

Mit technologieoffener Förderung verliert der Staat allerdings seine Lenkungsfunktion. Er kann nicht mehr gezielt die Entwicklung, etwa von Elektroautos, unterstützen. Der Staat sollte schon weitergehende Interessen haben als Elektroautos. Sein Ziel müssen mehr Arbeitsplätze sein. Welche Technologien zukunftsträchtig sind und einen Wettbewerbsvorsprung bedeuten, kann er den Unternehmen überlassen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ein Internetdienst wie Instagram einmal eine Milliarde Dollar wert ist? Diese Summe hat Facebook Anfang April für das Unternehmen gezahlt. Wären die Instagram-Gründer 2010 mit ihrem Konzept in ein Wissenschaftsministerium gegangen, sie hätten komplett Schiffbruch erlitten.

 

Eine 13-köpfige Firma, die Digitalfotos eine nostalgische Note gibt, den Marktgesetzen zu überlassen - einverstanden. Aber Elektroautos? Hinter ihnen steckt nicht nur eine technologische, sondern auch eine gesellschaftliche Richtungsentscheidung.

Mir geht es nicht um Schwarz oder Weiß. Es gibt Bereiche, die sich ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand nicht entwickeln. Ist die Regierung der Meinung, dass Elektromobilität ein Zukunftsmodell sein soll, ist gegen eine Förderung nichts zu sagen. Oder nehmen wir die Biotechnologie. Die Entwicklungskosten belaufen sich leicht auf einen dreistelligen Millionen-betrag. Das können private Investoren sehr selten stemmen. Aber Deutschland sollte trotzdem stärker dem Markt vertrauen. Die Wirtschaft besitzt das nötige Wissen. Venture-Capital-Geber haben oft eigene Erfahrungen als Unternehmer gesammelt. Gründer können von der Beratung profitieren oder das Kontaktnetzwerk innerhalb der Industrie und zu anderen Institutionen nutzen - und so beispielsweise erste Referenzaufträge erhalten

 

Warum tut sich Deutschland so schwer mit der steuerlichen Förderung?

Das müssen Sie Finanzminister Wolfgang Schäuble fragen. Dabei muss dieser Weg gar nicht mehr Geld kosten. Wir liegen mit unseren Ausgaben für Forschung und Entwicklung schon heute global gesehen im Spitzenfeld. Es würde reichen, von den jetzigen Programmen einige zu streichen und den frei werdenden Betrag für Steuererleichterungen zu verwenden. Mir ist beispielsweise nicht klar, warum wir Hunderte Millionen in die Polarforschung stecken. Kanada, Norwegen oder Russland sind da weit besser.

 

Wer aber stellt sicher, dass die steuerlichen Vergünstigungen tatsächlich in neue technologische Entwicklungen fließen?

Eine steuerliche Förderung birgt zweifellos Anreize für Missbrauch. Tatsächlich hat Deutschland schon einmal schlechte Erfahrungen mit diesem Modell gemacht. Ende des vorigen Jahrhunderts wurden jede Menge Tourismus-Projekte auf diese Weise unterstützt. Die Nutznießer waren am Ende spanische Hotels. Wir brauchen also Kontrollinstanzen. Unternehmen, die ihre Forschung und Entwicklung steuerlich fördern lassen, könnten etwa verpflichtet werden, jährliche Berichte zu den Fortschritten eines Vorhabens zu verfassen.

 

Wäre man dann nicht wieder bei der Projektbegutachtung, die Sie anfangs kritisiert haben?

Nein. Die Begutachtung würde am Ende erfolgen, nicht zu Beginn. Die Chance, dass gute Ideen durchkommen, ist größer.

 

 

INVESTMENT-PIONIER

Der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Nathusius gründete schon 1978 seine Kapitalbeteiligungs-Gesellschaft GENES GmbH Venture Services.

Zu Beginn der achtziger Jahre initiierte der heute 67-Jährige einen Venture-Capital-Fonds für junge Technologieunternehmen. Seit 2001 ist er Honorarprofessor für Entrepreneurship an der Universität Kassel und seit 2006 in vergleichbarer Position auch an der Georg-August-Universität Göttingen.

 





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